„Sachen die man nicht bei Google findet“

12. Februar, 2014 | Ratzepeng

Raputation

Unser Internet [1] ist randvoll; mit allem – egal ob man es sucht, braucht, liebt oder eben nicht. Dass dies nicht nur ein Gefühl ist, sondern auch eine Tatsache lässt sich anhand knüppeltrockener Statistiken belegen: Im Jahr 2012 (Dezember) existierten auf unserem Globus 634 Millionen Webseiten. 51 Millionen von ihnen sind zu diesem Zeitpunkt nicht älter als ein Jahr. [Sacken lassen!] Was das bedeutet? Es fliegen uns im Sekundentakt tausende neue Internetseiten um die Ohren, welche allesamt wahrgenommen, gelesen und verstanden werden wollen; und gegenüber einem „i like“ sicherlich auch nicht abgeneigt sind. Problem I: Dazu ist kein Mensch, Kopf oder Gehirn auch nur annähernd in der Lage. Problem II: Die wirklich spannenden und lesenswerten Seiten haben es schwer aus diesem Überangebot bzw. Bodensatz des Internets, bestehend aus Trash, Spam und Pornografie hervorzutreten; egal wie grandios ihre Ideen, Perspektiven und Styles auch sind.
Wie man damit umgehen sollte? Schneller und größer als die Anderen werden und mit übertrieben, digitalen Winkelementen auf sich aufmerksam machen. Wäre eine Möglichkeit; wenn auch keine besonders einfallsreiche.

Dass es auch ganz anders, viel schöner und vor allem gehaltvoller geht, beweist hingegen unser Freund und jahrelanger Wegbegleiter DJ derbystarr mit seinem Projekt RAPUTATION. 2 ½ Jahre hat er sich zeitgenommen detailverliebt an einer Webseite zu basteln, welche hinsichtlich der transportierten und dargestellten Inhalte ihres gleichen sucht. ‚Hip Hop im Osten‘ könnte eine Überschrift sein, mit der man sie untertitelt. Wer jetzt an altbacken und verstaubt denkt, liegt mehr als daneben. Anstatt verbissen an den Unterschieden zwischen Ost und West festzuhalten oder sogar einer gewissen ‚Ostalgie‘ nachzuhängen, geht es ihm in erster Linie darum, die dortigen Erfahrungen, Erlebnisse und die vielen Geschichten die Hip Hop dort schrieb zu konservieren. Denn auch im Osten und den späteren neuen Bundesländern gab und gibt es eine Hip Hop Kultur. Eine Kultur, die, aufgrund der besonderen Umstände in der damaligen DDR, gewisse Eigenarten und in Teilen auch eine eigene Charakteristik ausgebildet hat. Diese Prägung und die Tatsache, dass es wenig bis gar nichts zum Thema gibt, motivierten ihn letztendlich dazu, RAPUTATION ans Tageslicht und ins World Wide Web zu ziehen. Die entspannte Herangehensweise, die im Umgang mit den Kategorien Ost und West bereits ins Auge stechen, zieht sich auch durch das gesamte Projekt. Es gibt weder eine strikte Trennung bzw. Abgrenzung zwischen dem früher und heute noch wird besonders wert darauf gelegt, sich ausschließlich zu ‚unserer‘ Subkultur zu äußern. Eine weitere charmante Besonderheit von RAPUTATION ist es, im bewussten Gegensatz zu den einleitenden Ausführungen, dass die LeserInnen nicht mit schnell produzierten Artikeln überrannt und vollgestopft werden sollen. Stattdessen geht es um die gute, alte und oft vermisste Qualität. Es soll ein „Mehrwehrt“ schaffen und Einblicke dokumentieren, welche man nicht tausendfach bei Google finde. Die Infos, die heutzutage über die einschlägigen sozialen Netzwerke rotieren, geraten schneller in Vergessenheit als man sie ‚produzieren‘ kann, weswegen er mit seiner Seite bewusst und vor allem nachhaltig gegensteuern möchte. RAPUTATION lebt nicht nur von seinem eigenen Aktivismus, sondern auch von den vielen Zuarbeiten, von den gefunden und zugeschickten Flyern und den vielen geführten Gesprächen. Dies ist Bereicherung und Vernetzung zu gleich; und stärkt durch den persönlichen Austausch die Community und den Bezug darauf. Wer sich mit seinen Standpunkten, Perspektiven und eventuellen Kulturschätzen einbringen möchte, ist ein gern gesehener Gast im RAPUTATION – Kosmos. Alle weiteren sind natürlich auch sehr herzlich dazu eingeladen, dem Projekt einen Besuch abzustatten.

Wir hoffen, dass wir euch im Strudel der Abermillionen Webseiten ein für Euch interessantes Lesezeichen setzten konnten, welches Euch mit Inhalten und spannenden Perspektiven versorgt. RAPUTATION steckt noch in seinen Kindersneakern und wird in den nächsten Jahren einiges an Vielfalt aufsaugen. Auf diesem Weg wünschen wir dem gesamten Projekt ein geschmeidiges Vorankommen und einen weiterhin inhaltstarken Output. Danke für die Arbeit & das Engagement.

In diesem Sinne: YO! meets http://raputation.de/



[1] Trotz bzw. aufgrund der offenkundigen und nicht zu tolerierenden Neugier zahlreicher Geheimdienste, sprechen wir hier dennoch von unserem Internet aka ein begründeter Mittelfinger in Richtung der Verantwortlichen aka Finger weg von unserem Netz!