Bars Statt Bier

15. März, 2014 | Ratzepeng

Kamera läuft, Bier in‘n Hals, nominiert und weg. Und wieder zieht ein Trend vorüber. Was blieb und bleibt ist längst vergessen. Was kam hingegen nicht. Denn während mancherorts man immer noch der schnellen Gerste huldigt, schrauben andere bereits an BarsStattBier aka Rappen statt Schüttbier aka 16er für alle statt Schluckauf für wenige. Rewind! Bars Statt BierMit reichlich Interesse, Neugier und einer Einladung im Gepäck verließen wir vor ca. zwei Wochen unser Saaletal, um ein wenig mehr vom BarsStattBier – Projekt zu erfahren. Empfangen vom engagierten Herzstück der BSB-Crew merkte man sofort, dass es hier nicht um halbherzige Ideen und Unausgegorenes gehen sollte, sondern darum ein Projekt, von dem man wirklich überzeugt ist, in die Tat umzusetzen. Um die ganze Nummer in die richtige Richtung zu schieben – bisher hatten die zwei „Urväter“ der Idee jeden Tag und stundenlang telefoniert – wollte man BarsStattBier nun auf ein festes Fundament setzen. Zu diesem Zweck lud man den harten Kern als auch Interessierte (insgesamt 11 Leute) ins „Herrenzimmer“; ein uriger Raum, der Teil einer mehr als klassischen Kneipe (aka Würzfleisch [/Wordsflysch] & Co – welcome home) ist und kurze Zeit später bis unter die Decke im Zigarettenrauch und hitzigen Diskussionen versank.

Nachdem man Speisen und Getränke, Getränke und Speisen ausgewertet, kommentiert und sich in verschiedenen Debatten verloren hatte, nährte man sich allmählich der eigentlichen Thematik. Ziel sei es, so der Tenor der Anwesenden, zum einen herauszufinden, wo der Ursprung von BarsStattBier liegt; also von wem stammt der erste 16er, der am Anfang dieses riesigen Schneeballsystems steht, welches man versucht akribisch zu rekonstruieren? Die Reichweite dieses Vorhabens ist schon jetzt beeindruckend. Jeder der mit einem Video im BarsStattBier – Kosmos vertreten ist, wurde vorab nominiert; dies ist die Eintrittsschwelle die es zu überschreiten gilt. Mit Abschluss der eigenen ‚Performance‘ nominiert man weitere Freunde und Rapheads. Trotz dieser Verknüpfungen gibt es im Moment fünf bis sechs ‚Stränge‘, deren Urheberschaft sich nicht nachvollziehen lässt, manche Linien gehen hingegen durch verschiedene und mehrere Bundesländer. Zum anderen wolle man eine (nachhaltige) Plattform schaffen, auf der man die einzelnen Videos und Beiträge sammelt, konserviert und einem breiten Publikum zugänglich macht. Dabei gehe es nicht nur ums anschauen und konsumieren, sondern auch darum, dass man unter- und miteinander in Kontakt kommt (zum Beispiel für Features, Kollabos usw.). Die vorliegenden ‚Bars‘ seien dafür eine ideale Ausgangsbasis: Real und ungeschönt, erhalte man aufgrund der Spontanität, einen ehrlichen Einblick ins Wesen eines jeden Rappers – also „kein Imagescheiß“.

Und während im Vordergrund die Videos laufen, arbeitet man im Hintergrund daran weitere davon ausfindig zu machen und diese mit Zustimmung der Protagonisten, in das BarsStattBier-Netzwerk einzupflegen. Im Moment ein Schatz von insgesamt 35 Videos (+ zahlreiche Beiträge, die auf ihre Freigabe warten); Tendenz: weiter anwachsend! Auch wenn nicht jedes davon ein Filetstück ist oder einem vom Hocker reißt, das dahinterliegende Engagement und die kreative Bandbreite ist bemerkenswert und in Teilen sehr, sehr unterhaltsam. Außerdem ist es schön zu hören, mit welcher Vielfalt Rap – immer noch – glänzen kann; trotz oder gerade weil Business, Cash & Pop (bzw. die dafür Verantwortlichen), ihm häufig auch die Ecken, Kanten und damit auch seine Charaktertiefe nehmen. Apropos Unterhaltsam:

Die BarsStattBier – Gang will an diesem Punkt aber nicht die Hände in den Schoß legen oder sich auf den ersten Lorbeeren ausbreiten. Im Gegenteil. Es gibt noch viele Ideen und Features, die man dem Projekt einpflanzen möchte. Wie man sich in diesen Prozess einbringen kann? In dem man die Sachen feiert, verfolgt, teilt und promotet; und sein Video, dem BarsStattBier – Netzwerk zur Verfügung stellt.

Auch wenn die ganze Geschichte nicht von Geld und Nuggets angetrieben und getragen wird, (sondern vom Idealismus) ließ sich dennoch eine gewisse „Goldgräberstimmung“ im verrauchten Kreis der qualmenden Köpfe beobachten. Dies stimmt uns zuversichtlich als wir den Kreis in Richtung Frischluft verlassen. Nicht nur für Rap im Allgemeinen, sondern auch weil damit wieder einmal deutlich wird, dass Hip Hop auch immer noch von der eigenen Bewegung lebt aka D.I.Y. Style aka „… wenn sich auch Dein Arsch mit bewegt“.

Wir wünschen Euch auf diesem Weg weiterhin ein gutes Vorankommen, viel Spaß bei der Sache und einen facettenreichen Output. Danke für die Einladung & den schönen Abend. In diesem Sinne: Prost und Wohl bekomms!

Die guten Bars findet ihr an verschiedenen digitalen Ecken:

* BarsStattBier-Page
YouTube
* Facebook

YO! / Reporter Ratzepeng auf Abwegen